Wir haben die Gehirnstruktur unserer vierbeinigen Jagdbegleiter verändert

von | 3. Oktober 2019

„Wir haben nicht nur das Aussehen unserer vierbeinigen Jagdbegleiter geändert, sondern auch die Struktur ihrer Gehirne.“

Menschen haben Hunde für die verschiedensten Zwecke gezüchtet. So auch für die Jagd. Und selbst für die Jagd gibt es noch verschiedene Spezialisten, wie zum Beispiel den Vorstehhund oder den Schweißhund.
Eine kürzlich veröffentlichte Studie von Hecht et al. (2019) von der Harvard University hat 62 reinrassige Hunde von 33 verschiedenen Rassen u.a. anhand von MRT Scans untersucht. Hunde wurden auf diese Weise bisher noch nicht erforscht, weshalb diese Studie eine wirklich beeindruckende Arbeit darstellt, so der Psychologe Daniel Horschler von der University of Arizona.

Die Zucht einer bestimmten Hunderasse verfolgt die Intention, ein bestimmtes Merkmal auszuprägen, das einen bestimmten Zweck erfüllt. So soll ein Schweißhund mit seiner feinen Nase beispielsweise andere Charaktereigenschaften aufweisen, als ein Stöberhund oder ein Diensthund der Polizei. Es ist bereits bekannt, dass unterschiedliche Zuchten, unterschiedliche Wahrnehmungen, Temperamente und Verhaltensweisen haben, aber die neuralen Ursprünge dieser Veränderungen waren bisher unbekannt. Hecht und Kollegen fanden heraus, dass die angezüchteten Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften sich im Aufbau des Gehirns widerspiegeln. Diese Veränderungen wurden nun erstmalig durch MRT Scans sichtbar gemacht. Dafür untersuchten die Forscher die Hirnregionen, die die größte Varianz innerhalb der Rassen hatten. So fanden sie sechs neuronale Netze innerhalb des Hirns, die je nach Rasse größer oder kleiner waren und sich zusammen mit der Rasse verändert haben. Hecht und Kollegen vermuten, dass diese Netze bei verschiedenen Verhaltensweisen unterschiedlich zusammenarbeiten.

Deshalb schaute sich das Team die Eigenschaften, für die die Hunde gezüchtet wurden, an (z. B. Beagle – feine Nase, Border Collie – Zusammenhalten von Schafherden) und untersuchte den Zusammenhang mit den sechs identifizierten Netzen im Gehirn der Hunde. Jedes der sechs Netze im Gehirn der Hunde korreliert mindestens mit einer Charaktereigenschaft. Sie konnten nachweisen, dass z. B. Dobermänner und Boxer, die manchmal als Diensthunde bei der Polizei eingesetzt werden, signifikante Unterschiede gegenüber anderen Züchtungen im Netz aufwiesen, das mit dem Sehen und Riechen verbunden ist. Hunderassen, die für Hundekämpfe gezüchtet wurden, wiesen signifikante Veränderungen in dem Netz auf, das mit Angst und Stress verbunden ist.

Hecht und Kollegen waren insbesondere an den Unterschieden zwischen Hunden, die nach Geruch jagen und Hunden, die auf Sicht jagen interessiert. Hunde, die darauf spezialisiert sind, auf Geruch zu jagen, zeigten keine Unterschiede in den Arealen des Hirns, die Gerüche erkennen, aber stattdessen in komplexeren Arealen, die dem Hund helfen, die Information zu verstehen und zu kommunizieren. Aus Hechts Sicht ergibt das Sinn, denn es ist allgemein bekannt, dass man einem Hund, der für eine feine Nase bekannt ist, nicht das Riechen beibringen muss, sondern die Kommunikation des Geruches an den Hundeführer, z. B. – ich habe eine Fährte gefunden – durch Spurlaut oder Fährtenlaut anzeigen.

Die Hunde in der Studie waren keine aktiven Dienst-, Sport- oder Jagdhunde, sondern lediglich Haushunde. Es ist erstaunlich, dass diese Unterschiede in den Gehirnen sichtbar werden, obwohl diese Hunde die Tätigkeiten, für die sie gezüchtet wurden, noch nie aktiv ausgeübt haben, so Hecht.

Die Forschung zeigt, dass Menschen die Gehirnstrukturen der verschiedenen Hunderassen signifikant verändert haben. Neuroanatomische Variationen sind nicht einfach durch Gehirngröße, Körpergröße oder Kopfform beeinflusst, sondern durch spezielle Netze innerhalb der Hirnregionen. Die Anatomie des Hirnes hängt demnach signifikant mit angezüchteten verhaltensbedingten Spezialisierungen, wie z. B. dem Bewachungstrieb oder dem Jagdtrieb zusammen. Bezüglich der Implikationen der Studie sagt Hecht, der Fakt, dass wir die Arten um uns herum durch Züchtung verändern und dies sogar Auswirkungen auf deren Hirnstrukturen habe, solle uns unsere Verantwortung bewusst machen, die wir den Lebewesen gegenüber haben.

Quelle: Erin E. Hecht, Jeroen B. Smaers, William D. Dunn, Marc Kent, Todd M. Preuss and David A. Gutman (2019): Significant Neuroanatomical Variation Among Domestic Dog Breeds, Journal of Neurosciences (39), pp. 7748-7758.

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